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Tipps

Vorruhestand dank Langzeitinvestitionen

26-07-2023
In der Serie Sparen VS untersuchen wir verschiedene Möglichkeiten, wie Sie Ihre finanzielle Zukunft aufbauen können und welche Rolle das Investieren im Finanzmix spielen könnte. 

Neben dem Sparen ist das Investieren die bekannteste Möglichkeit, Geld für die Zukunft anzulegen. Während Sparer ihr Geld sicher und geborgen im Schutz ihres Sparschweins ruhen lassen, wagen sich Anleger in den Kampf der Finanzmärkte. Doch das ist leider nicht risikofrei und jemand, der anlegt, sollte unbedingt wissen, was er tut.

Wir haben mit Trisita gesprochen, welche bereits seit Jahrzehnten in ihren Vorruhestand investiert. 

Trisita investiert in ihren Vorruhestand

Trisita ist 62 Jahre alt und investiert schon seit mehr als der Hälfte ihres Lebens. Im Laufe der Jahre hat sie viel Erfahrung auf dem Aktienmarkt gesammelt. Zunächst investierte sie vor allem in Fonds, aber als Trisita den Markt besser zu verstehen begann, wuchs auch ihr Wissen und ihre Fähigkeit, mit bestimmten Aktien erfolgreich zu handeln. Letzteres – gepaart mit diszipliniertem Sparen – lief sogar so gut, dass Trisita nun seit einigen Jahren nicht mehr arbeiten muss.

In diesem Interview finden wir heraus, wie Trisitas Investitionsreise aussieht. Es wird deutlich, wie sie an den Aktienhandel herangeht und worauf man als Anfänger achten sollte. 

Wie und wann hast du mit dem Investieren begonnen?

Vor 36 Jahren habe ich mit dem Investieren begonnen. Zu der Zeit war ich mit einem Mann verlobt, der an der Börse arbeitete. Damals fand der Aktienhandel noch auf dem Börsenparkett statt, heute ist alles digital. Von meinem Verlobten erhielt ich viele Informationen darüber, wie Menschen durch Investitionen finanziell bessergestellt wurden. Ich habe dann vorsichtig mit Investmentfonds angefangen. Als ich mehr über die Märkte und die Funktionsweise des Spiels lernte, begann ich auch in bestimmte Aktien zu investieren. Meine erste Aktie war Shell, und ich habe sie immer noch, wobei ich die Anzahl der Aktien im Laufe der Jahre ziemlich erhöht habe. 

Zu Beginn meiner Investitionsreise habe ich auch den Schwarzen Montag 1987 miterlebt, der Tag, an dem alle Aktienmärkte weltweit abstürzten. Die Gesundheit meines Verlobten litt darunter, weil sich innerhalb weniger Stunden eine Menge Geld in Luft auflöste. 

Verfolgst du mit dem Investieren ein bestimmtes Ziel?

Nach einer langen Karriere als Anwältin habe ich mit 60 Jahren aufgehört zu arbeiten. Jetzt sind meine Investitionen hauptsächlich ein Puffer für meinen Ruhestand und eine Einkommensquelle durch Dividenden, die ausgezahlt werden. Natürlich war es nicht immer mein Ziel, für den Ruhestand zu investieren. Anfangs habe ich hauptsächlich für kleinere Ziele investiert, aber wenn es gut läuft, denkt man irgendwann an den Ruhestand. Dann passt man seine Strategie entsprechend an. Es gibt zum Beispiel Aktien, die viermal im Jahr eine Dividende ausschütten. 

Was erwartest du über welchen Zeitraum an Rendite? Oder: Welche Rendite erwartest du über welchen Zeitraum?

Ich schätze, dass meine durchschnittliche Rendite in den letzten 10 Jahren zwischen 8 % und 10 % lag. Aber vor 2 Jahren, als die Märkte während Corona einen Höhenflug erlebten, hatte ich eine Rendite von 22,45 % für mein gesamtes Portfolio. Das war eine sehr gute Rendite. Ich habe 2 Freunde, mit denen ich oft über Investitionen spreche. Beide arbeiten in der Investmentabteilung einer Bank und beide waren ein bisschen neidisch auf meine großen Gewinne.
 
 Natürlich braucht man dafür auch viel Zeit. Man muss viel recherchieren und dann versuchen, zum richtigen Zeitpunkt mit einem Kauf oder Verkauf zuzuschlagen. Nach 36 Jahren habe ich dafür ein ziemlich gutes Gespür. Um es zu verfeinern, muss man (viele) Fehler machen, weil man gerade daraus lernt.

Die Aktienmärkte können sich heftig nach oben und unten bewegen. Wie gehst du mit diesem Risiko um?

Ich spüre nichts mehr, wenn der Markt schwankt, und ich schlafe deswegen keine Sekunde weniger. Nach 36 Jahren kenne ich das Spiel. Am Anfang war es noch aufregend, wenn die Preise stiegen oder fielen, aber irgendwann akzeptiert man, dass das zum Spiel gehört und es ist weniger spannend. 

Was war dein größter Fehler beim Investieren?

Mein allergrößter Fehler war, als ich Aktien von Imtech gekauft hatte. Auf dem Papier war das ein wunderbares Unternehmen, dem es mit einem Umsatz von fast 5,5 Milliarden Euro sehr gut zu gehen schien. Das Unternehmen war auch ein Favorit an der Börse. Doch dann stellte sich heraus, dass es sich dabei um Betrug handelte. Der Aktienkurs stürzte innerhalb weniger Stunden um 48 % ab. Und das war erst der Anfang. Ein Fiasko folgte dem Nächsten. Der Aktienkurs fiel um 99 % gegenüber dem Kurs vor Bekanntwerden des Betrugs und führte zum Konkurs.
 
Du verlierst dann einfach das Geld, das du in die Aktien des Unternehmens investiert hast. Das ist das Risiko des Marktes, auch wenn eine solche Situation zum Glück selten vorkommt.

Bist du ein großes Risiko eingegangen, indem du dein Geld in Aktien angelegt hast?

Nein, das glaube ich nicht. Ich mache meine Hausaufgaben gut. Bevor ich in ein Unternehmen investiere, lese ich die Jahresberichte, Pressemitteilungen und Nachrichten. Dann schaue ich mir vor allem die Bilanz, den Markt und das Wachstumspotenzial des Unternehmens an. Ich achte auch sehr auf die technischen Daten von Aktien wie Beta, Kurs-Gewinn-Verhältnis und andere langfristige Indikatoren. Außerdem investiere ich hauptsächlich langfristig, was bedeutet, dass die täglichen Marktschwankungen weniger Einfluss auf das Endergebnis meines Portfolios haben. 

Wie viel Zeit investierst du in diese Nachforschungen?

Das ist unterschiedlich. Jetzt ist gerade Zahlensaison, da bin ich viel beschäftigt, weil jede Woche neue Quartals- und Halbjahresergebnisse veröffentlicht werden. Manchmal ist es sehr viel, vor allem, weil es auch Börsen in Asien gibt, die öffnen, wenn wir in Deutschland gerade friedlich schlafen. Da bleibt man dann manchmal wach, um gleich bei der Eröffnung zuzuschlagen.

Wie siehst du klassisches Sparen und das Verhältnis zwischen Investieren und Sparen an?

Das Verhältnis von Investitionen zu Ersparnissen ist sehr wichtig. Als ich vor 2,5 Jahren aufhörte zu arbeiten, hatte ich 15 % meines Vermögens in Aktien und 85 % Bargeld auf dem Sparkonto. Aber mein in Aktien investiertes Vermögen wächst wegen der höheren Renditen schneller und ich erhalte auch noch regelmäßig Dividenden. Das ist ein monatliches Zusatzeinkommen, von dem ich im Ruhestand leben kann.

Damals hielt ich die Aufteilung von 15-85 für klug, weil sich das Sparen sicherer anfühlte. Außerdem braucht man Geld für unerwartete Ausgaben. Wenn man sein gesamtes Vermögen in Aktien angelegt hat, kann man nicht sofort darauf zugreifen. Dann müssen Sie verkaufen und das kann zu diesem Zeitpunkt weniger lukrativ sein. Sie wollen eigentlich vermeiden, zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkaufen zu müssen, und ebenso wollen Sie in der Lage sein zu kaufen, wenn es günstig ist. Dann braucht man einen guten Puffer.

Was würdest du jemandem empfehlen, der mit dem Investieren beginnen möchte?

Anfängern würde ich empfehlen, Investmentfonds zu kaufen. Das ist ein hervorragender Startpunkt. Ein Fonds besteht aus einem Korb von Aktien, die von Fondsmanagern verwaltet werden, die am besten wissen, was sie tun. Im Allgemeinen bieten Fonds eine angemessene Rendite und da es sich um ein Paket bestehend aus verschiedenen Anteilen handelt, schwankt der Fonds weniger, wenn ein Unternehmen dabei ist, das nicht so gut abschneidet. Das Risiko ist dann auf viele Unternehmen verteilt.

Wenn man gerade anfängt, den Markt besser zu verstehen und in bestimmte Aktien investieren möchte, würde ich empfehlen, einige Gleichgesinnte zu finden. Eine Art Investment-Club. Denn gemeinsam kann man viel mehr Erfahrungen, Tipps und Prognosen austauschen.
 

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