Gastblog von Margarethe Honisch: Wie du die Krise als Chance nutzt

Wie begegnet man einer finanziellen Krise bestmöglich? Und welche Vorbereitungen sind dafür nötig? Diese Fragen haben sich in den vergangenen Monaten viele Menschen stellen müssen. Um für die Zukunft besser vorbereitet zu sein und trotz Corona mit dem Vermögensaufbau zu starten, haben wir uns Unterstützung von Margarethe geholt. Sie betreibt nicht nur den Finanzblog Fortunalista, sondern hat auch schon ein Ratgeber-Buch und Vorträge zum Thema finanzielle Unabhängigkeit verfasst. In ihrem Gastbeitrag beantwortet sie die eingangs gestellten Fragen.

Cash trotz Corona: So startest du in deinen Vermögensaufbau

Die Zeiten waren schon mal rosiger: Durch Corona befinden sich nicht nur viele Menschen in Kurzarbeit, einige können ihrem Job gar nicht mehr nachgehen oder haben Aufträge und Engagements verloren. Nicht umsonst sagt man aber auch: Tiger werden im Winter geboren. Und vielleicht ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, um der Krise zu trotzen und endlich die eigenen Finanzen in die Hand zu nehmen.
Dabei gibt es ein paar Methoden und Techniken, die du anwenden kannst, um es dir etwas leichter zu machen. Keine Angst, es kommen keine Anleitungen für selbstgebastelte Waschnüsse. Lass uns schauen, wie du wirklich viel erreichen kannst, damit du auf die nächste Krise besser vorbereitet bist.
Denn Krisen kommen leider regelmäßig und die nächste wird es sicherlich geben. Umso besser, wenn man ihr mit einem dicken, finanziellen Polster entgegenlächeln kann.
Hier sind die drei besten Methoden, um dich vorzubereiten.

1. Check deine Ausgaben – und streiche, was du nicht brauchst

Mit Sicherheit weißt du, wie viel Geld du einnimmst. Aber weißt du auch, was du täglich wofür ausgibst? Die wenigsten tun das. Notier also mindestens für drei Monate, alle deine Ausgaben: Jeden Coffee-to-go genauso wie jeden Lebensmitteleinkauf oder den Snack zwischendurch. Denn gerade diese kleinen Ausgaben fressen oft echte Löcher in die Taschen.
Rechne alle deine Ausgaben hoch auf ein Jahr, damit du siehst, welche Posten die größten Ausgaben verursachen und welches Einsparpotenzial möglich ist, wenn du sie streichst oder reduzierst.
Ein weiterer Tipp: Nimm dir an einem ungemütlichen Herbsttag deine Verträge vor. Logg dich dazu am besten direkt ins Online-Banking ein und schau dir jede Abbuchung der letzten 12 Monate an. Zugegeben, der Prozess dauert etwas länger, aber das Einsparpotenzial ist enorm. Allein durch veraltete Versicherungen, zu hohe Internetkosten oder die Mitgliedschaft im Fitness-Studio, die nur dein Gewissen beruhigt, statt deine Bauchmuskeln zu fördern, kannst du mehrere Hundert Euro im Jahr einsparen. Ein sehr guter Stundenlohn, den du so in kurzer Zeit erreichst.
Wenn du dir unsicher bist, ob du dein Geld richtig budgetierst oder an irgendeiner Stelle zu viel ausgibst, kannst du dich an der 50/30/20-Regel orientieren:

  • 50 % deiner Einnahmen gibst du für alles Lebensnotwenige aus, wie Miete, Lebensmittel und Mobilität.
  • 30 % hast du für deinen Lifestyle, deine Hobbies oder Reisen.
  • 20 % bleiben dir schließlich zum Sparen und für deine Altersvorsorge oder Versicherungen.

An dieser Stelle höre ich immer wieder, dass 50 % bei vielen schon für die Miete draufgehen. Wenn das in deinem Fall auch so ist, hast du drei Möglichkeiten: Mehr Geld einnehmen, Mieteinnahmen durch einen Umzug reduzieren oder das Geld von den 30 % aus dem Lifestyle-Bereich abzwacken. 

2. Bau dir einen Notgroschen auf

Unvorhergesehene Notfälle und Ausgaben können immer wieder eintreten – Corona lässt grüßen. Umso wichtiger, dass du einen Notgroschen für genau solche Fälle hast. Idealerweise besteht ein Notgroschen aus etwas drei Netto-Monatsgehältern. 
Verdienst du beispielsweise 2.000  netto, sollte dein Notgroschen etwa 6.000  betragen. Ja, das klingt am Anfang nach viel Geld, ist aber durch taktisches Vorgehen machbar.
Wenn du deine Geldfresser aus dem ersten Punkt eliminiert hast, kannst du das eingesparte Geld für deinen Notgroschen aufwenden. Idealerweise legst du monatlich 10 % für deinen Notgroschen beiseite. Bei dem genannten Beispiel von 2.000  sparst du monatlich 200 .
Auch hierfür gibt es einen Trick: Spare bereits am Monatsanfang, sobald neues Guthaben auf deinem Konto eingegangen ist und nicht am Monatsende, wenn du schon alles ausgegeben hast. Klingt logisch, oder?
Der Trick funktioniert vor allem psychologisch: Indem du das Geld sofort weglegst, hast du es quasi nie besessen. Dadurch planst du deinen Monat finanziell automatisch anders ein und wirst versuchen mit dem auszukommen, was dir auf deinem Konto noch zur Verfügung steht. Die Erfolgschancen sind dabei viel höher, als beim Versuch das „Übriggebliebene“ zu sparen.

3. Leg dir ein Tagesgeldkonto zu

Wenn du wirklich ernsthaft Sparen und deine Finanzen organisieren möchtest, kommst du nicht an einem Tagesgeldkonto vorbei. Der schlechteste Ort, an dem du dein Geld sparen kannst, ist unter dem Kopfkissen oder anderswo in greifbarer Nähe. 
Zu groß ist die Versuchung, dass man schnell etwas aus dem Sparstrumpf nimmt, statt zum nächsten EC-Automaten zu gehen. 
Der zweitschlechteste Ort für dein Geld ist dein Girokonto. Hier hast du deinen Sparbetrag ebenfalls zum Greifen nah und kannst in einem schwachen Moment unbedacht die EC-Karte zücken. Außerdem erhältst du hier keinerlei Zinsen für dein Erspartes und zahlst im schlimmsten Fall sogar noch eine Gebühr für die Kontoführung. Mit einem Tagesgeldkonto schützt du dein mühsam erspartes Geld also auch ein wenig vor dir selbst.
Der Vorteil daran ist, dass du dein Geld im Notfall auf dein Girokonto überweisen und damit unvorhergesehene Rechnungen schnell bezahlen kannst. Also ein fast genauso flexibler Ort, wie dein Sparschwein, aber allemal sicherer. 

Mit diesen drei Methoden kannst du schon jetzt einen guten Grundstein für deinen Vermögensaufbau legen. Nutz also diese Krise als deine Chance!